|
In mehreren Kapiteln wird die Bedeutung
der Nicolai-Kirche als Baudenkmal hier eingehender betrachtet.
Das
Baudenkmal St.Nicolai in Zerbst
in den Kapiteln:
I. Bauphasen und Baumaterial
II. Architekturgeschichtliche Einordnung und
denkmalpflegerischer Rang
III. Der Baukörper der Nicolaikirche
Der Turmriegel
Der Chorbau und das
Langhaus
IV. Das Baudekor der Nicolaikirche
V. Das Geläut der Nicolaikirche
VI.
Die Ruine in der Stadt -- fehlt noch --
Die Nicolaikirche ist
ein Kulturdenkmal im umfassenden Sinne. Ihre Bedeutung als
Geschichtsdenkmal wird an anderer Stelle dargestellt. Hier ist ihre
Rolle in der Architekturgeschichte mit ihren vielen Wandlungen zu
betrachten.
I. Bauphasen und Baumaterial
Man darf annehmen, dass mit der Christianisierung einer slawischen
Siedlung im 10. Jahrhundert eine erste Kirche gebaut worden war,
eine Kirche aus Holz. Sie ist im 12. Jahrhundert durch einen Bau aus
Stein ersetzt worden, eine romanische Basilika. Weder eine Beschreibung
noch eine bildliche Darstellung von deren Gestalt liegen vor. Einige
Hinweise gibt es aber doch.
Da ist als wichtigstes Indiz der Turmriegel im Westen. Der Südturm ist
bis zur Höhe der Glockenstube noch das originale romanische Bauwerk aus
Granitquadern. In etwa 3 m Höhe läuft an den Außenwänden ein
Rundbogenfries um, der in der Westwand optisch durch eine Lisene
gestützt wird. Der Fries läuft noch ein Stück weiter und bricht
plötzlich ab. Es gehört wenig Phantasie dazu, sich diesen Fries und
weitere Lisenen für die gesamte westliche Turmfront vorzustellen.
Nordturm und Mittelteil
sind zwar erst 1476 neu errichtet worden, aber offensichtlich auf dem
vorhandenen Fundament. In der alten Konzeption mit dem massigen
steinernen Kern in der Mitte ist der Nordturm der Zwilling des
Südturmes geblieben. Einige Merkmale weisen aber deutlich auf die
Erneuerung im 15.Jahrhundert hin. Das Mauerwerk ist nicht von der
Qualität des romanischen, die Fensteröffnungen erhielten Spitzbögen und
das um die gesamte gotische Kirche laufende Sockelgesims – mit Ausnahme
des Südturmes – schließt Nordturm und Turmmittelbau mit ein. Es führt
bis zu der senkrechten Betonung seines Endes genau unter dem Abbruch
des romanischen Rundbogenfrieses.
Zwei Stadtsiegel von 1298 und von 1355 zeigen eine romanische
Turmfassade mit 3 Türmen, die keiner anderen Zerbster Kirche
zugeordnet werden kann.
Die Bauchronik des 1447 fertiggestellten gotischen Chores gibt einen
Hinweis auf die Länge der Basilika von bis zu 45 m. Sie ist erst danach
abgerissen worden, um den Chor mit dem Turmmassiv durch die 6 Joche des
Langhauses zu verbinden.
Das Langhaus wurde gegen das schon vorhandene Turmmassiv gesetzt, so
dass der große Riss am westlichen Ende der Nordmauer durch die
unterschiedliche Fundamentierung erklärt werden kann. Baumaterial von
der abgebrochenen Basilika wurde für das Langhaus wieder verwendet. Bei
den Arbeiten 2001 am Südausbruch wurden Fundstücke mit romanischer
Ornamentik geborgen im Innenraum der Kirche gelagert.
Der Bau des riesigen
Chores nach 1420 verlangte größte Anstrengungen und verkörpert zugleich
höchste Ansprüche. Auf dem Garprader-Epitaph, das in 5 m Höhe des
Kaffgesimses heute noch sehr gut erhalten ist, steht die Jahreszahl
1432.
Der Chor war nicht nur imposant in seinen Ausmaßen. Die überreiche
Ausstattung an gotischer Bauzier verlangte auch teures Steinmaterial,
dass von weit her herangeschafft werden musste. Die aufwendigste
Ausprägung des Baudekors weisen die Mauerfelder und Fenster zwischen
den Pfeilern 11 und 13 und die Pfeiler selbst auf. Der Mut und das
Vermögen waren noch ungebrochen, während in der Folge die schwierigen
politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse mehr und mehr an
Bescheidenheit erzwangen.
Der Chor wurde 1447 als Gotteshaus geweiht, er war demnach zunächst
nach Westen durch eine Mauer geschlossen worden.
Nun darf man den Abriss der Basilika ansetzen und bald danach den
Baubeginn für das Langhaus. Schlichtheit und Sparsamkeit waren an die
Stelle von Repräsentationsstreben und Großzügigkeit getreten. Sandstein
wurde nur noch sparsam verwendet, Ecken und Kanten sind häufig aus
Backstein. Der Anteil von geschlagenen und ungeschlagenen Feldsteinen
wurde immer größer. Kopfschüttelnd sehen die Bauleute von heute auf in
der Mauer sichtbare Findlinge, deren Masse eine Tonne übersteigen
dürfte. Damals gab es noch keinen Baukran. Solche 2001 aus dem maroden
Südausbruch geborgenen großen Brocken wurden nicht wieder verwendet,
sondern liegen als „Denkmale zweiter Ordnung“ im Kircheninnern auf
einem Haufen.
Nach einer Störung der
Bautätigkeit durch die Explosion im Turmriegel 1475 wurde das Langhaus
1488 fertiggestellt. Die Einwölbung, das Aufsetzen der Turmhauben und
die innere Ausgestaltung zogen sich bis weit in das 16.Jahrhundert hin.
Dies waren die Hauptetappen der Erbauung der Nicolaikirche. Sie hatte
seitdem mehrere Umgestaltungen vor allem des Inneren erfahren, der
Baukörper aber war bis zum Jahre 1945 unverändert geblieben. Der
Angriff auf Zerbst zerstörte auch die Kirche, die nach dem Kriege
erfolgten Sprengversuche am Südturm der Ruine wurden bald wieder
aufgegeben. Trotzdem sollte sie abgerissen werden. Die Bemühungen der
Kirche und des Denkmalschutzes konnten das schließlich verhindern.
Eine weitere bedeutende Bauphase begann 1991. Der Förderkreis
St.Nicolai Zerbst e.V. gründete sich. Er wollte den Fortbestand der
Nicolaikirche sichern und fand alsbald die ersten Partner für diese
Aufgabe.
Was in den folgenden 13 Jahren geleistet wurde, ist unter
>Maßnahmen< nachzulesen.
II. Architekturgeschichtliche Einordnung und
denkmalpflegerischer Rang
Mit der Fertigstellung der Nicolaikirche um 1530 war ein gewaltiger Bau
mit einem sehr heterogenen Erscheinungsbild bis hin zu
Widersprüchlichkeiten entstanden.
Die hoch aufragende Silhouette mit dem riesigen Dach, das fast die Höhe
der etwas merkwürdigen kurzen Turmhauben erreichte, erschien
disproportioniert und charakteristisch zugleich. Die Kontraste zwischen
überschwänglicher und überreicher Spätgotik des Chores, dem nüchternen
und kargen Langhaus und der romanisch schroffen Massigkeit des
Turmriegels konnten schärfer nicht sein.
Diese Heterogenität findet auch in der Materialität des Mauerwerks
ihren Ausdruck.
Einziges nachgotisches Element im Baukörper ist ein Rundbogenportal im
Südosten des Chores aus dem Jahre 1660.
Gerade die Hinweise auf die besondere architekturhistorische Bedeutung
verhinderten den schon geplanten Abriss der Kirche um 1980. Neben dem
Südturm, dem Zeugnis frühester Stadtgeschichte, ist der Chorbau von
besonderem Interesse. Der polygone Chorschluss mit abwechselnd
dreieckigen und trapezförmigen Gewölbefeldern ist in der Bautradition
des Peter Parler vorgebildet. Die Formen des reichen Baudekors an der
Chorfassade sind wie auch in Bernburg (Marienkirche) Ableitungen aus
der Halleschen Bauhütte (Moritzkirche) Conrads von Einbeck, der als
Schüler Peter Parlers gilt. Dieser brachte das Prager Stilgut nach
Mitteldeutschland. Die Übereinstimmung in der Komposition ist
überdeutlich, weitere Belege sind die Steinmetzzeichen der ausführenden
Meister.
Vom Beginn der Bautätigkeit am Chor bis zur Fertigstellung der Türme
vergingen über 100 Jahre. Doch der Stilwandel in den Etappen des
Werdens der Kirche hatte nicht nur in dem langen Zeitraum seine
Ursachen. Pest- und Brandkatastrophen hatten die Wirtschaftskraft der
Stadt Zerbst, der Bauherrin, gebrochen. Doch auch die Verwurzelung der
Kirche im Volk lockerte sich, Widersprüche und Unzufriedenheit traten
zu Tage. Aus Wittenberg griffen die Unruhen der Reformation über, die
schließlich dazu führten, dass die neu erbaute Nicolaikirche durch die
Bilderstürmer schwer verwüstet wurde.
Die Nicolaikirche ist ein Denkmal der Baukunst und ihrer Wandelungen im
15.Jahrhundert. In einem Gebiet zwischen norddeutscher Backsteingotik
und den Hausteinbauten im Süden und Westen trafen deren Elemente
aufeinander. Allein die Materialität des Mauerwerks der Nicolaikirche
ist Ausdruck dessen.
In Zerbst entstand der letzte monumentale Sakralbau des ausgehenden
Mittelalters in Deutschland, eine spätgotische Hallenkirche in
eigenwilliger Konzeption, deren Ruine den Betrachter auch heute noch
tief beeindruckt.
Architektur und Geschichte der Nicolaikirche sind darüber hinaus mit
der Stadtentwicklung von Zerbst und den gesellschaftlichen Ereignissen
in MItteldeutschland so eng verknüpft, dass sie auch als bedeutendes
historisches Denkmal gesehen werden muss.
Nachfolgend sollen Konzeption und Gestaltung des Baukörpers sowie die
wesentlichen Stilelemente des Baudekors eingehender betrachtet werden.
III. Der Baukörper der Nikolaikirche
1. Der Turmriegel
Obwohl der Westbau eine große Zahl von deutbaren Besonderheiten am
Dekor und am Mauerwerk aufweist, bleiben viele Fragen unbeantwortet
(siehe Abschnitt I). Die unterschiedlichen Grundrisse der Türme und die
Stadtsiegel mit 3 Türmen um 1300 konnten bisher nicht sicher gedeutet
werden.
Der Baukörper des Westriegels wirkt als ein ungegliederter massiger
Klotz, ähnlich wie bei den vielen romanischen Wehrkirchen der Dörfer
Sachsen-Anhalts, allerdings viel größer und höher. Zwei mächtige Türme
mit unterschiedlichen Grundrissen enthalten gewaltige Steinmassen. Die
teilweise über 3 m dicken Mauern umfassen einen starken quadratischen
Kern. Die Treppe windet sich wie eine Bohrung in dieser Steinmasse in
die Höhe.
Nicht nur in ihren Abmessungen sind die Türme ungleich. Der Südturm ist
original romanisch, Nordturm und Mittelteil können erst nach 1475 von
Grund auf neu, aber nach ihrem romanischen Vorbild, errichtet worden
sein. Dafür gibt es eindeutige Belege am Baukörper.
Bei dem nach 1420 im Osten begonnenen Chorbau wurde die Außenmauer in 1
m Höhe auf einen vorstehenden Sockel gesetzt. Den Übergang zur Mauer
deckt ein profiliertes Gesims. Dieser Sockel mit Gesims wurde um die
gesamte Kirche herumgeführt, auch um den Nordturm und den Mittelteil
des Westbaues.
Der Wiederaufbau des zerstörten Turmriegels erfolgte in großer Eile.
Erst Ostern 1475 hatte sich die Explosion ereignet, und schon 1476
wurde am Nordturm in etwa 10m Höhe ein Stein mit einer Inschrift
eingemauert „Anno Domini MCCCCLXXVI in sancte jacoves avent is dyt
angelet“.
Die eingefügten kleinen Fenster sind der Zeit entsprechend gotischen
Stils, aber untereinander verschieden. Ihre Anordnung im Baukörper ist
nicht symmetrisch und hat wenig Lagebeziehung zueinander.
In einer Höhe von etwa 30 m hat man das romanische Vorbild aufgegeben
und eine einheitliche gotische Fensterfront, die über die gesamte
Westfront reichte, auf ein Kaffgesims gesetzt. In den freien
Zwischenraum ist der höhere Mittelturm gebaut worden.
Der Südturm hatte starke Risse davongetragen, die noch heute in seiner
Ostwand deutlich sichtbar sind. Er wurde jedoch nur ausgebessert und
ist uns als einziger Teil des romanischen Vorgängerbaues bis zur Höhe
des Kaffgesimses erhalten geblieben. Hier gibt es natürlich den o.g.
Sockel und das Sockelgesims nicht.
Bemerkenswert, der romanische Fries wurde weder mit Backsteinen noch
mit Sandstein gemauert. Bruchgranit oder Feldsteine sind zerschlagen
worden, bis sich ein passendes Bruchstück ergab. Damit erklärt sich die
Vielfalt der Gesteinsarten und ihrer Färbung im Fries.
2. Der spätgotische Chor und das Langhaus
Östlich vor der romanischen Basilika wurde nach 1420 mit dem Bau des
Chores einer großen Hallenkirche begonnen. Mit dem zuerst errichteten
Chorumgang erreichte er eine Breite von 26m (ohne Pfeiler), das heißt
die Breite des Turmriegels und lag auf der gleichen Mittelachse.
Bereits am Pfeiler 19 knickt die Mauer nach Norden ab, am nächsten
Pfeiler 20 wie zur Korrektur wieder nach Süden. Trotzdem verfehlt sie
den Anschluss an die Ecke des Nordturmes um etwa 3,40 m. Das sich
verbreiternde Langhaus weitet sich bei Pfeiler 26 innen bis auf 26m,
außen etwa auf 29,50m.
Die Interpretationen dieser Merkwürdigkeit sind unsicher. Man könnte
annehmen, dass der Bau der Nordmauer von Ost nach West erfolgte, die
Basilika Nebenchöre besaß, die ein direktes Fluchten verhinderten, und
dass eine sorgfältige Vermessung nicht erfolgte. Oder gab es andere
Gründe? Grabungen nach Fundamenten von Nebenchören sind bisher nicht
unternommen worden.
Im Chorschluss wird der Umgang mit 10 Außenpfeilern durch von 6
Pfeilern getragene Arkaden vom Innenraum getrennt. Es entstanden
dadurch 9 abwechselnd trapezförmige und dreieckige Gewölbefelder, die
heute nicht mehr vorhanden sind. Der Chorumgang ist in gleicher Breite
auf beiden Seiten durch das Langhaus bis zu den Türmen fortgeführt
worden und bildete dort die Seitenschiffe. Noch erhalten sind die
Pfeiler und Arkaden im Süden und im Osten. Noch zu nennen ist ein
kleiner Mauerturm, der auf die Kronenhöhe führt. Er kennzeichnet das
westliche Ende des Chorbaues. Im Jahre 2002 wurde er restauriert und
kann bestiegen werden.
Von Anfang an ist in den Feldern zwischen den Pfeilern unterhalb des
Kaffgesimses Mischmauerwerk eingesetzt worden. Verwendet wurden vor
allem Feldsteine bis zu tonnenschweren Findlingen aus dem nahen
Fläming. Sandstein verwendete man für Fensterleibungen, Gesimse und
Pfeiler, die damit das zunächst überaus reiche Baudekor aufnehmen
konnten. Dies gilt uneingeschränkt nur für die Pfeiler 11,12 und 13 mit
den dazwischen liegenden Fenstern. Danach wird nach beiden Seiten hin
das Dekor einfacher, und die Abschnitte des Mischmauerwerks, in dem
zunehmend Backstein erscheint, werden größer. Schließlich mauert man
auch Fensterleibungen und sogar Pfeiler oberhalb des Kaffgesimses
komplett aus Backstein auf. Pfeiler 7 fehlt, weil dort die Sakristei
angebaut werden sollte, deren Dachstuhl 1775 und 1798 einstürzte und
die schon im 19. Jahrhundert wieder abgebrochen wurde.
Die Pforte ganz im Südosten ist als einziges Bauelement der Renaissance
zuzuordnen.
Auch das Portal im Westriegel wurde später eingebrochen, so dass die
Kirche 6 Portale aufzuweisen hatte. Sie sind heute bis auf das mittlere
Südportal vermauert. Die Portale der Nordmauer werden noch an anderer
Stelle (Baudekor) zu erwähnen sein.
IV. Das Baudekor
Hier ist zuerst und vor allem das großartige Dekorationssystem der
östlichen Chorfassade zu nennen. Der Meister des Entwurfes ist nicht
bekannt, aber deutlich ist die Linie, die von der Prager
Parlerschule nach Halle zur Moritzkirche, deren Baumeister Conrad
von Einbeck war, und dann nach Bernburg (Marienkirche) und nach Zerbst
führt. Dieses ursprüngliche Konzept zur Ausschmückung des Baues wurde
schon vor 1450 – noch im Chorbereich – mehr und mehr vereinfacht.
In Höhe des Kaffgesimses trägt jeder Pfeiler eine Konsole und etwa
1,50m darüber den zugehörigen Baldachin. Dies war innen an der Mauer
ebenso, senkrecht darüber entsprangen die Rippen der Gewölbe. Ob die
gedachten Statuen jemals auf den Konsolen standen und 1525 von den
Bilderstürmern heruntergeholt worden sind, ist nicht bekannt. Über den
Baldachinen erheben sich in 3 Etagen Wimperge und Fialen, die
Kreuzblumen trugen. Die obersten Fialen, bekrönt von je einer großen
Kreuzblume, überragten das Traufgesims um etwa 1m.
Nur an 5 Pfeilern kam dieses Dekorationsprogramm zur vollständigen
Ausführung, anschließend gibt es nur noch je 2 Wimperge in 2 Etagen
ohne Fialen an den Chorpfeilern. An den weiteren Pfeilern des
Langhauses fehlen derartige Schmuckelemente ganz, sie erhielten nur
noch eine Gliederung durch 3 Abtreppungen, die mit schmalen Gesimsen in
Pfeilerbreite belegt wurden.
Das Konsolenprogramm ist dagegen für den gesamten Bau beibehalten
worden. Sie fehlen außen wie innen nur an wenigen Pfeilern. Die
Konsolen der Innenseite zeigen Laub- und Maßwerkmotive. An der
Außenseite aber finden wir die besonders wertvolle Folge von Konsolen,
die über individuell gestalteten Köpfen und Büsten stehen. Ihre
Restaurierung und Konservierung wäre ein sehr lohnendes Vorhaben.
Weiterhin befinden sich regellos gestreut am Bauwerk einzelne Elemente
des Baudekors. Es ist gut möglich, dass sich unter ihnen auch
Skulpturen aus der romanischen Basilika befinden (Drache am Pfeiler 3),
die man nach deren Abriss wieder am Neubau verwendete.
Ein Teil der Epitaphien an der Außenwand und im Innenraum ist schon
stark verwittert. Hervorzuheben ist das Garprader-Epitaph an der
nördlichen Chorwand. Außen am Pfeiler 17 befindet sich eine sogenannte
Judensau, Symbol für den Antisemitismus des 15.Jahrhunderts.
Von den 6 Zugängen in das Kircheninnere sind die beiden Pforten in der
Nordwand besonders geschmückt. Die Kreuzblumen tragenden Kielbögen
werden von Fialen flankiert, das östliche Nordportal war durch
Hängemaßwerk verschattet. Ob das Maßwerk noch vorhanden ist, kann erst
nach dem Entfernen der Vermauerung festgestellt werden.
Die Wandmalerei des Innenraumes, unter ihnen ein großes Fresko des
Christophorus, konnte nicht konserviert werden. Auch die Ausstattung
ist bis auf einige Steinmetzarbeiten verloren.
Punkte I - IV Zusammengestellt von Walter Tharan nach Heike Ingrid
Derscheid
|